Krim-Krise: Russland bald mit eigenem Kreditkartensystem?

Krim-Krise: Russland bald mit eigenem Kreditkartensystem?
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Die Krim-Krise verschärft sich und wirkt sich nun auch auf den Finanzmarkt aus. Ende März hatten die beiden US-amerikanischen Kreditkartenunternehmen VISA und MasterCard den Zahlungsdienst für Kunden der Banken Rossija und SMP kurzzeitig eingestellt. Die Kunden konnten ihre Karte nun nicht mehr benutzen. Staatschef Wladimir Putin kündigte daraufhin an, ein eigenes, nationales Kreditkartensystem zu etablieren.

Die regierungsnahe Rossija-Bank wird von der US-Regierung weiterhin mit Sanktionen belegt. Das Institut steht offiziell auf der Sanktionsliste der USA, das Vermögen der Bank wurde eingefroren, Unternehmen aus den USA dürfen mit der Bank keine Geschäfte tätigen. Die Einschränkungen für Kunden der SMP-Bank wurden unterdessen wieder gelockert. Sie können wieder mit ihrer Karte bezahlen oder online einkaufen. Bargeldabhebungen an institutsteigenen Automaten waren zu jeder Zeit möglich. Visa und MasterCard sind Marktführer auf dem Kreditmarkt; sie vergeben Lizenzen an Banken, die ihrerseits Karten an ihre Kunden herausgeben. Um die Sanktionen umzugehen, will nun Putin eine eigene Kreditkarte einführen, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Die internationalen Systeme sollen aber nicht ersetzt werden, die neue Kreditkarte soll vielmehr parallel existieren. Als Vorbild dienen andere nationale Kreditkartensysteme wie Unionpay in der Volksrepublik China sowie JCB in Japan. Bisher liegt der Anteil der internationalen Kreditkarten in Russland bei etwa 95 Prozent. Russische Beamte hatten erklärt, dass infolge der Sanktionen das Vertrauen in Visa und MasterCard gelitten habe.

Politische Krise mit Folgen für den Finanzmarkt

Hintergrund der Pläne: Im Februar hatte Russland die Schwarzmeer-Halbinsel Krim unter seine Kontrolle gebracht. Die Aufnahme der Krim in die Russische Förderation war international stark kritisiert worden, Sanktionen von den USA sowie der Europäischen Union folgten. Neben der Einführung einer neuen Kreditkarte könnte die Krise weitere Kreise ziehen. So befürchtet die russische Zentralbank große Abflüsse, immer mehr reiche Russen bringen ihr Geld außer Landes. Prognosen gehen von 70 Milliarden US-Dollar allein im ersten Quartal 2014 aus, die ins Ausland gebracht werden. Zwar kündigte die Regierung an, auf die Kapitalflucht zu reagieren, etwa mit ungedeckten Krediten. Zwischenzeitlich sackte der Rubel dennoch auf ein historisches Tief ab. Putin warnte die Kreditkartenunternehmen und westliche Unternehmen vor den Folgen weiterer Sanktionen, so könnten diese Marktanteile und Gewinne einbüßen, wenn der Zahlungsverkehr in Russland weiter eingeschränkt wird.

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