Justizminister fordert mehr Transparenz bei Dispozinsen

Justizminister fordert mehr Transparenz bei Dispozinsen
Bitte bewerten Sie diese Seite.

Nachdem die Europäische Zentralbank den EZB-Leitzins im vergangenen Jahr bis auf 0,05 Prozent abgesenkt hat, ein neues Allzeittief, ist bei vielen Banken und Geldinstituten keine Absenkung der fälligen Dispozinsen vorgenommen worden. Im Mittel liegen die Zinsen für den in Anspruch genommene Dispositionskredit noch immer um die zehn Prozent und damit viel zu hoch im Vergleich zu dem günstigen EZB-Leitzins, der die Zinshöhe für beschaffte Geldmittel der Banken anzeigt. Zusätzlich sind noch immer nicht alle Banken transparent und geben ihre Dispozinssätze auf ihren Webseiten vielfach nicht an.

Die störrische und abwartende Haltung der Banken verärgert nicht nur Verbraucherschützer und Kunden, sondern auch Justizminister Heiko Maas, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kunden vor zu hohen Zinsen beim Dispositionskredit zu bewahren. Der Minister will nun, nachdem auf freiwilliger Basis keine Bewegung in die Sache gekommen ist, eine sogenannte Transparenzverpflichtung durchsetzen. Sie verpflichtet die Geldhäuser dazu, den Dispozinssatz künftig auf ihrer Onlinepräsenz anzugeben. Darüber hinaus sollen Kunden, die den Dispokredit in Anspruch genommen haben und gefährdet sind noch tiefer ins Minus zu geraten, Beratungsangebote und Alternativlösungen zum Abbau der Schulden vorgeschlagen werden.

Erste Banken setzen Dispozinsen und Überziehungszinsen runter

Nach Untersuchungen kommt es nur bei etwa 20 Prozent der Kontoinhaber zur Nutzung des Dispositionskredites. Dann aber meist richtig. Die Banken verdienen meist sehr gut daran, denn häufig ist ein Verfügungsrahmen von zwei bis drei Monatsgehältern beim Dispo üblich. Manche Kunden können bei Inanspruchnahme des Dispos nicht den vollen Betrag schnell genug wieder abbauen und geraten dadurch immer tiefer in eine Schuldenfalle, denn im Vergleich zu einem Ratenkredit ist der Dispositionskredit recht teuer. Zusätzlich räumen die Banken den Kunden sogenannte geduldete Überziehungen über das Dispolimit hinaus ein. Hier greifen einige Institute ungeniert zu, teilweise werden um die 15 Prozent an Zinsen für geduldete Überziehungen fällig. Einige Banken haben bereits reagiert und ihre Dispozinsen auf ein niedrigeres Niveau abgesenkt. Andere gleichen den Überziehungszins an den niedrigeren Dispozins an und schaffen auf diese Weise die ungerechten Mehrkosten für Kontoinhaber mit Überziehungen über das Dispolimit hinaus ab. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Bankhäuser ihre Dispozinsen nach unten anpassen.

Zum >>> Dispokredit-Vergleich