Die Zinswende ist schon da

Die Zinswende ist schon da

Die Chefposition der US-amerikanischen Notenbank FED wird erst im Februar nächsten Jahres frei. Doch das Stühlerücken hat bereits begonnen. Wie aktuell bekannt wurde, traf sich Präsident Donald Trump mit dem Ökonomen Warsh. Aus internen Kreisen wird berichtet, dass sie sehr vertraut miteinander seien. Demnach stehen die Chancen gut, dass Warsh die Notenbank in Zukunft anführen wird. Der Vertrag des aktuellen Amtsinhabers Yellen wird wahrscheinlich nicht verlängert werden.

 

Wofür steht Warsh?

Kevin Warsh war bereits in der Vergangenheit leitendes Mitglied der FED. Allerdings verwarf er sich während der Finanzkrise mit dem Vorstand. Um die Wogen am Kapitalmarkt zu glätten, zog die FED es vor, die Geldpolitik zu lockern. In der Folge fielen die Zinsen. Yellen positionierte sich stets gegen ein solches Vorgehen. Den Anstoß zu seinem Rücktritt aus dem Vorstand der FED 2011 gab das Wertpapierankaufprogram. Dieses wollte er nicht mittragen.

Anhand der Vorgeschichte lässt sich ableiten, dass Warsh an der Spitze der FED einen strafferen Kurs einschlagen würde. Die bereits begonnenen Zinssteigerungen würden sich dann fortsetzen.

Was bedeutet das für das deutsche Zinsniveau?

Die amerikanische Geldpolitik ist ein Indikator für die europäische. Dies liegt in erster Linie daran, dass sich der Handel internationalisiert hat. Europa und die USA sind durch enge wirtschaftliche Beziehungen verbunden. Daher ist es kaum möglich, die Zinsentwicklungen der beiden Wirtschaftsräume gänzlich zu entkoppeln. Des Weiteren spielt der Wechselkurs zwischen dem Euro und dem Dollar eine wichtige Rolle.

In Deutschland sind sowohl der Immobilien- als auch der Wertpapiermarkt in den letzten Jahren stark gewachsen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die konventionelle Geldanlage kaum noch Erträge erwirtschaftet. Institutionelle Anleger wie Versicherungen, die ihre Verträge fest verzinsen müssen, sind davon besonders betroffen. Im Rahmen ihrer vertraglichen und rechtlichen Möglichkeiten drängten sie folglich auf den Wertpapiermarkt. Die Nachfrage nach Immobilien nahm ebenfalls zu – sowohl von Seiten privater als auch unternehmerischer Anleger.

Sollte die EZB den geldpolitischen Signalen von jenseits des Atlantiks folgen, darf mit einer Abkühlung auf dem Immobilien- und Wertpapiermarkt gerechnet werden. Ob es dann tatsächlich zu einer platzenden Blase kommt, wie sie manche Experten voraussehen, wird sich herausstellen.